Bin ich eine Öko-Mutti?

Wer kennt es nicht? Dieses Klischee der Öko-Mutti? Diese alternative Frau, die Birkenstock an den Füßen hat, ihr Kind im Tragetuch trägt und ihren Kindern Dinkel-Kekse in die Hand drückt, wenn es etwas zum Naschen sein soll. Die ihr Kind zunächst jahrelang stillt und es dann noch ohne Brei ernährt und in die Waldorfschule schickt, wo es lernt, seinen Namen zu tanzen. Die Frau, die auf Homöopathie schwört und Impfungen strikt ablehnt. Die Frau, deren Kinder am besten jahrelang mit in ihrem Bett schlafen und die ihre Kinder ganz natürlich zu Hause gebärte. Entschuldigt die Klischeereiterei, aber ich denke, jeder weiß, was ich meine.

Was bin ich davon?

TragefotoEin kurzer Hinweis vor dem Weiterlesen: Das Folgende ist lediglich meine persönliche Meinung und Einstellung zu bestimmten Themen. Ich bin ein sehr toleranter Mensch und kann mit anders aussehenden Meinungen sehr gut umgehen – ich bitte gleichzeitig aber auch darum, meine Meinung zu akzeptieren. Danke

Ich habe keine Birkenstock-Sandalen, ich setze auf Sneakers, Ballerinas, auch mal Pumps, Stiefel, Stiefeletten, Sandalen. Das kommt ganz darauf an, wonach mir gerade ist, was der Anlass ist, das Haus zu verlassen, und wie das Wetter draußen aussieht.

Ich liebe Tragetücher. Und glaubt mir – hätte mir kurz nach der Geburt von Little Ella jemand gesagt, dass ich mal so denken würde, hätte ich ihm einen Vogel gezeigt Ich wollte nie mit Tüchern tragen. Diese ollen langen Tücher, die vielleicht ganz hübsch sein konnten, aber ungemein unpraktisch. Und dann diese Bindetechniken – wer soll das hinkriegen?!

Wir trugen von Geburt an in unserer Marsupi, mit der wir toll klarkamen. Durch Zufall kam ich an ein Tragetuch, als Little Ella etwa 3 Monate alt war. Eine Freundin aus der Uni hat mir ihres zum Ausprobieren überlassen – es war ein Hoppediz Nairobi. Und was passierte? Das Tuch lag etwa 6 Wochen einfach rum, weil ich mich nicht aufraffen konnte, das mal zu probieren.

Dann kam Tag x. Ich schaute mir ein YouTube-Video an, hatte gleichzeitig die Anleitung von Hoppediz vor mir und probierte die Wickelkreuztrage, was nahezu direkt funktionierte. Schon das 3. Binden war richtig gut. Und ich merkte, wie bequem das eigentlich war. Ich hatte nur den Vergleich zur Marsupi-Tragehilfe, aber alleine der Unterschied war schon beachtlich. Das Ende vom Lied ist, dass ich immer wieder das Tragetuch rausholte – bis ich aber auch draußen damit trug, verging noch eine ganze Weile. Irgendwie hatte ich Bedenken. Was, wenn sie plötzlich aus dem Tuch raus möchte? Dann steh ich in einem Kuddelmuddel von Tuch und krieg sie vielleicht nicht mehr richtig rein? Dann hängt das Tuch ja im Dreck und ich muss es waschen. Im Nachhinein gar nicht so schlimm, aber mir kam das zunächst doof vor.

Mittlerweile hatte ich schon verschiedene Tragetücher hier: Hoppediz, Pollora, Kokadi, Kindsknopf. Geblieben bin ich bei Kindsknopf, alle anderen sind ausgezogen. Bisher kam einfach kein Tuch an meine Carla heran – und ich bin nicht der Typ, der Tücher im Schrank hortet. Ich brauche aktuell 2. 2 verschiedene Längen und ein schönes Mischgewebe für den Sommer reichen mir. Ich bin noch auf der Suche – ich liebäugele grade noch mit Wauggl Bauggl

Wir hatten nie Dinkel-Kekse und ich habe auch noch nie Dinkelmehl benutzt, um für Little Ella zu backen oder kochen. Ich kann mit dem einfachen Weizenmehl oder auch Vollkornmehl gut leben, auch wenn es nicht so gesund ist wie Dinkelmehl. Irgendwo muss man halt Abstriche machen. Und wenn es mal etwas zum Naschen sein soll, gibt es Obst, Hirsekringel oder auch mal einen Keks, Schokolade oder sowas halt. Die Betonung liegt auf „mal“.

Ich habe Little Ella knapp 9 Monate lang gestillt. Ich habe sie nach Bedarf gestillt, egal, ob es alle 30 Minuten oder alle 2 Stunden soweit war. Ich hätte auch länger gestillt, denn sie war eigentlich noch nicht soweit, aber ich musste endlich meine Medikamente wieder nehmen. Ich habe lange Cortison genommen, um das hinauszuzögern, aber irgendwann ging es nicht mehr.

Breifrei? Oh ja. Ich hatte von dem Konzept gelesen und fand es super spannend. Nachdem ich dann Gill Rapleys Buch Baby-led weaning gelesen hatte, war für mich klar, dass wir es auf diesem Weg probieren wollten. Und mit Erfolg. Es hat viel damit zu tun, auf sein Kind zu achten und Zeichen zu deuten. Und es hat mit Vertrauen zu tun. Vertrauen insofern, dass man seinem Kind zutraut, zu essen, was es gerade benötigt. Schon mit 6 Monaten „aß“ Little Ella Brokkoli und gekochte Möhrchen. War es eine Matscherei? Manchmal ja. Mehr als bei Brei? Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Ob mein Kind jetzt Brei durch die Gegend prustet und spuckt oder ich am Ende Essen vom Boden aufsammeln muss, macht aus meiner Sicht kaum einen Unterschied. Little Ella ist jetzt fast 15 Monate alt und isst wie ein Weltmeister. In der Kita bis zu 3 Portionen, wenn es schmeckt. Unterwegs fast einen ganzen Kinderteller, wenn wir mal essen gehen. Sie hat vor ein paar Wochen begonnen mit Gabel und Löffel zu essen. Und wir sind unglaublich stolz auf die Kleine. Wir bekommen von außen unheimlich viel Lob, wie toll sie isst. Für uns die Bestätigung, dass wir es genau richtig gemacht haben

Waldorfpädagogik? Für uns persönlich keine Option. Der Ansatz, den Leistungsdruck völlig außer Acht zu lassen und beispielsweise viel künstlerisch zu arbeiten, ist an sich nicht schlecht – passt für mich aber nicht in’s Bild der heutigen Leistungsgesellschaft. Little Ella soll lernen, sich in der Leistungsgesellschaft zurechtzufinden und sich selbst den Druck zu nehmen. Im Kindergarten ist für mich Waldorfpädagogik noch irgendwie in Ordnung, aber wir würden sie nicht auf eine Waldorfschule schicken. Das ist aber nur meine persönliche Einstellung zu der Geschichte.

Homöopathie? Kann man probieren. Tun wir auch immer. Manchmal wirkt es – manchmal nicht. Es ist definitiv aber einen Versuch Wert, bevor man direkt zu „richtigen“ Medikamenten greift.

Impfungen? Selbstverständlich! Impfungen sind aus medizinischer Sicht mit das Beste, was uns passieren konnte. Ich habe eine medizinische Ausbildung, kenne viele Kinderkrankheiten und insbesondere die gefährlichen, gegen die geimpft werden sollte. Oftmals sind es nicht die Krankheiten selbst, die gefährlich sind, sondern die Folgeerscheinungen, die erst Jahre später auftreten können. Eine Impfung verhindert das Auftreten einer Krankheit nicht unbedingt vollständig, kann aber zu einer weniger intensiven Erkrankung beitragen. Ich möchte mein Kind davor bewahren, dass bei ihm eine Krankheit in vollem Maße ausbricht mit der Gefahr einer schlimmen Folgeerkrankung. Deshalb impfen wir. Für Little Ella und für diejenigen, die (noch) keine Immunisierung in Form einer Impfung erhalten dürfen. Für meinen Mann ist das Ganze als Krankenpfleger ohnehin kein Diskussionsgrund.

Wie sieht das mit dem Familienbett aus? Mal so – mal so Wir hatten am Anfang ein Beistellbett, was prima funktioniert hat. Doch Little Ella wuchs schnell und mit etwa 6 Monaten war es zu klein. Danach stellten wir ihr Kinderbett neben unser Bett. Dort schlief sie bis etwa 2 Uhr nachts, danach wurde die Position verändert und sie schlief zwischen meinem Mann und mir. So blieb das bis kurz nach ihrem 1. Geburtstag. Ich habe lange mit mir gehadert, aber wir haben das Bett dann in ihr Kinderzimmer gestellt. Dort schlief sie ein, nachts holten wir sie dann oft in unser Bett, wenn sie wach wurde. Auch heute ist es noch „mal so – mal so“. Manchmal schläft sie bis morgens durch, manchmal wird sie wach, dann kommt sie zu uns. Und das ist für uns völlig in Ordnung, auch, wenn sie sich ganz schön breit in unserem 1,40m-Bett macht

Bleibt noch das Thema Hausgeburt. Für mich persönlich ist es nichts. Ich brauche die medizinische Sicherheit um mich herum. Die Sicherheit, dass, wenn etwas sein sollte, ein Krankenhaus-Team da ist, das sofort alles regelt. Ich kann mich sonst nicht fallen lassen. Ich würde in ständiger Angst sein, dass hoffentlich alles gut geht. Für jemanden, der diese Angst aber nicht teilt, kann eine Hausgeburt wohl sehr schön sein.

Ja und nun? Bin ich nun eine Öko-Mutti? Ich denke, insgeheim hält mich vielleicht manch einer für eine Öko-Mutti. Wenn es also bedeutet, dass ich auf die Zeichen meines Kindes achte und versuche, bedürfnisorientiert zu agieren, dass es auch bei uns im Bett schlafen darf, dass es im Tragetuch getragen wird, solange es möchte, und von Anfang an ohne Brei ernährt wurde, dann wird es wohl so sein. Aber dann bin ich es auch gerne

Eure Mrs. Ella

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1 Comment on Bin ich eine Öko-Mutti?

  1. Amelie
    28. Juni 2016 at 19:13 (1 Jahr ago)

    Ich muss gestehen, dass ich Baby-lead-Weaning irgendwie beängstigend fand und nicht auf die Idee gekommen wäre, es zu machen. Auch wenn es faszinierend klingt. Ich habe so schon immer panische Angst vor dem Verschlucken irgendwelcher fester Sachen gehabt, ich hätte nicht gewusst, was man dann tun muss (theoretisch schon, praktisch machte mir das irre Angst).

    Ansonsten finde ich, dass das nicht nach Öko-Mutti klingt. Öko-Mutter ist in meinen Augen eher eine Beleididung. Was du beschreibst, klingt eher nach einer normalen Mutter, die sich gut kümmert und Gedanken macht.

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